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Der Wald als Klassenzimmer

Do, 21. Mär. 2019 

Tag des Waldes im Fokus der Bildung

Das Amt für Wald hat an einem Medienanlass aufgezeigt, wie sich Schulkinder und Lehrkräfte mit dem Lehrplan 21 im Rücken für den Wald sensibilisieren lassen.

Otto Graf

«Was geht im Wald ab? Wozu dient der Wald? Welche Emotionen löst der Wald aus?» Mit diesen Fragen begrüsste Kantonsforstingenieur und Leiter Amt für Wald beider Basel, Ueli Meier, die beiden Forstdirektoren Thomas Weber und Christoph Brutschin sowie weitere Fachleute zu einem Medienanlass am internationalen Tag des Waldes in Münchenstein. Zum Einstieg bat Fredi Hügi, Revierförster in Münchenstein, die Anwesenden zu einem Wettkampf mit dem Habeggerseilzug.

Dabei galt es, einen Stamm möglichst schnell über einen bestimmten Parcours zu ziehen. Heute stehe der naturnahe Waldbau im Vordergrund, hob der Revierförster hervor. Die eben geschleiften Stämme liessen sich mit dem Schulfach Physik, Mathematik – das Holz muss ja eingemessen werden –, Wirtschaftskunde, Biologie und weiteren Themen, wie etwa Umweltschutz, kombinieren.

Regierungsrat Thomas Weber, von Beruf Bauingenieur, strich die hervorragenden Eigenschaften des Werkstoffs Laubholz hervor. Die Laubholzung sei auch im Regierungsprogramm verankert. Der politische Wille, Innovationen mit einheimischem Holz zu fördern, sei da, könne aber juristisch oft nur ungenügend durchgesetzt werden. «Es darf doch nicht sein, dass ein Bauvorhaben mit Holz aus Polen zu realisieren ist, nur weil die WTO-Regeln und das Submissionsgesetz das so vorschreiben», meinte Weber und ergänzte: «Setzen Sie sich für den Wald ein!» Ueli Meier hakte ein und zeigte auf, dass heute 300 Meter hohe Gebäude mit verleimten Buchenträgern erstellt würden – ohne Stahl.

Wald – Diener vieler Herren
Christoph Brutschin erinnerte daran, dass der Wald neben seinen Funktionen als Luftfilter, Wasserreservoir und so weiter einer enormen Belastung durch Freizeitaktivitäten ausgesetzt sei. Zudem verändere sich die Waldgesellschaft wegen der klimatischen Begebenheiten laufend. Gerade wegen dieser Veränderungen sei der Wald, so der Basler Regierungsvertreter, ein attraktiver Bildungsraum.

Mindestens ein Mal im Jahr ist Kantonsforstingenieur Ueli Meier mit Schulklassen im Wald unterwegs. Kinder stellten oft die interessantesten Fragen, sagte er. So wollten die Kinder wissen, was der Förster macht, ob er die Bäume setze. Meier, vor einer mächtigen Eiche stehend, blickte auch in die Vergangenheit.

Was heute im Wald steht, sei weitgehend das, was vor 200 Jahren oder noch länger zurück von Menschenhand aus ökonomischen Überlegungen eingebracht wurde. Die Eiche beispielsweise, so Meier, sei seinerzeit ochsenkarrenweise aus dem Elsass importiert und in den bestehenden Bestand «hineingeprügelt» worden, weil die Eiche als Bauholz gefragt war, die Eicheln den Schweinen als Futter dienten und die Rinde zum Gerben der Tierhäute benötigt wurde.

Frevel und andere Straftaten im Zusammenhang mit dem Wald seien äussert streng geahndet worden, bis hin zum Anbinden des Täters mit den eigenen Gedärmen an einen Baum.

Das Lernen im Wald stellt ein Highlight im schulischen Alltag dar. Kinder und Lehrkräfte werden für den Wald sensibilisiert, und es entsteht eine emotionale Verbundenheit zum Wald. Es ist ein erforschendes und entdeckendes Lernen im Schulzimmer Wald.

Um den Bildungsaktivitäten Rechnung zu tragen, lassen sich immer mehr Forstfachpersonen in forstlicher Waldpädagogik weiterbilden. Dennoch übersteigt die Nachfrage von Schulklassen nach waldpädagogischen Angeboten und Exkursionen mit dem Förster das Angebot. Seit vergangenem Jahr bietet das Amt für Wald das Modell «Voll Holz» für die vierten bis sechsten Primarklassen an. Und im September gehen in Rünenberg die Waldtage über die Bühne mit einem Schulprogramm für rund 100 Klassen.


Der internationale Tag des Waldes

og. Der Internationale Tag des Waldes wurde 1971 ins Leben gerufen. In der Schweiz steht der Anlass unter dem Motto «Im Wald findet gute Bildung statt». Dazu werden von Waldfachleuten Bildungsveranstaltungen für Schulen angeboten. So auch in Münchenstein, wo die Qualität und das Potenzial der forstlichen Waldpädagogik hervorgehoben werden.